Mittwoch, 9. Dezember 2015

Mein Schulfreund Basti


Heute will ich von meinem Freund Sebastian erzählen.
Also, der Basti ist einer, der alle Leute verarsch…, ich meine, verschaukeln will.
Zum Beispiel heute Morgen. Als ich in die Schule fahren will, ist mein Fahrrad weg. Ich suche es überall, schaue hin und her, denke mir schon, es sei geklaut worden.
Schlimm wäre das nicht, weil es alt ist, das Rad, und ich sowieso ein neues haben will. Aber ich hätte in die Schule laufen müssen und wäre wieder zu spät gekommen. So langsam gehen mir die Ausreden für die erste Stunde aus.

Wenn ich erkläre, Basti habe angerufen, die erste Stunde falle aus, dann glaubt mir keiner, weil Sebastian längst da ist. Wenn Basti sagt, die Kehrmaschine habe ihn auf dem Weg zur Schule nass gespritzt und er musste noch mal zurück, um sich daheim umzuziehen, dann sagen alle Lehrer: „Wie bedauerlich! Armer Sebastian!“, obwohl wir vor Ort gar keine Kehrmaschine haben.

Nun, gerade als ich an der Haustür Sturm klingeln will, um meine Mutter zu überreden, mich vielleicht gefälligst mit dem Auto zur Schule zu fahren …, gucke ich hoch zum Fenster, da sehe ich über mir auf dem Dach des Eingangs etwas stehen. Klar doch, mein Fahrrad! Das hat der Basti dort hinauf gehievt, darauf könnte ich wetten. Denn gleich darauf biegt er grinsend um die Ecke.
In der Schule, im Klassenzimmer, sitzt er neben mir auf der Bank. Das ist, kann ich euch sagen, nicht immer die wahre Freude, manchmal sogar ziemlich peinlich. Wir quatschen viel, besonders er.

Basti redet mal wieder auf mich ein, aber ausgerechnet ich bekomme von der Frau Riegel, unserer Englischlehrerin, die Ermahnung, ich solle endlich die Klappe halten und mein Buch …
Den Rest verstehe ich nicht, denn der Basti kichert so.
„Was hat sie gesagt, was soll ich mit meinem Buch machen?“, frage ich ihn.
„Du sollst mit deinem Buch an die Tafel und den ersten Abschnitt vorlesen“, raunt mir der Basti zu.
Ich gehe nach vorn, vor die Klasse und fange zu lesen an. Die Riegel schaut völlig verdutzt und ruft: „Was soll das? Setz dich wieder auf deine vier Buchstaben!“
Die ganze Klasse lacht und glaubt, ich hätte sie nicht mehr alle. Weil keine Rede davon war, dass ich vorgehen und vorlesen sollte. Reingelegt hat mich der Basti. Ständig brockt er mir was ein.

Bis ich wieder zurück an meinem Platz bin, hat er meinen Saft ausgetrunken, die Tüte aufgeblasen und auf meinen Sitz gelegt. Als ich mich auf meinen Hintern setzen will, knallt die Tüte. Ich fahre hoch, Basti nimmt die platt gedrückte Safttüte und wedelt damit.
Er sagt: „Mach die Schranktür auf, damit ich sie dort rein werfen kann!“
Da ich sowieso wieder stehe, lange ich hin und mache die Schranktür auf. Aber der Basti wirft den Abfall nicht rein. Nein, stattdessen kommt die Riegel, schüttelt wieder den Kopf und fragt mich: „Weshalb machst du während des Unterrichts die Schranktür auf?“
Die hat gedacht, ich spinne, denn erklären kann ich das ja nicht.

Zum Schluss will die Englischlehrerin noch unsere Übersetzungen im Heft sehen. Und der Basti nimmt das zum Anlass, mir zum x-ten Mal seinen Lieblingswitz zu erzählen. Der geht so:
„Frau Lehrerin, darf man für etwas bestraft werden, das man nicht getan hat?“ – Natürlich nicht, mein Kind!“ – „Gut, ich habe nämlich keine Hausaufgaben gemacht!“
Während die Riegel so durch die Reihen geht und immer näher kommt, fragt sie: „Soll ich euch am Ende noch einen englischen Song vorspielen?“
Ihr uralter Kassettenrekorder kratzt fürchterlich, aber das stört keinen, Hauptsache sie hört  nicht Vokabeln ab und die Stunde ist rum.
Der Basti freut sich, dass ich wieder über seinen Witz gelacht habe und sagt zu mir: „Soll ich deine Hausaufgaben löschen?“
Er hat schon den Stift in seiner Hand und beginnt, mit dem Tintenkiller das erste Wort auf meinem Blatt zu entfernen. Da rufe ich laut: „Nein!“
Die Riegel schaut mich an und schüttelt wieder den Kopf: „Ja weshalb denn nicht? Du magst wohl keine Musik!“

Und dann, na ja, mit dem Sebastian geht das immer so weiter. Ich schwöre, in einer Tour! Er nervt manchmal, aber er ist eben mein bester Freund, der Basti.                                                   (jus)                                                                                                                                                    




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